Der Weihnachtsbaum als neues Lebensmittel

by Line Lundsteen, september 16, 2022

Fair Trees ist – als Teil unseres kontinuierlichen Beitrags zu einer nachhaltigen und klimafreundlichen
Entwicklung – in die Lebensmittelproduktion aus Weihnachtsbäumen eingestiegen. Die Lebensdauer und
Funktionalität eines Weihnachtsbaums reichen weit darüber hinaus, nur den Mittelpunkt am Heiligen
Abend zu bilden. Wir haben uns die Aufgabe gestellt, Lebensmittel herzustellen, bei denen wir die
nahrungsreichen Ballaststoffe des Weihnachtsbaumes ausnutzen.

Mimi Nielsen ist die stolze Gewinnerin des Junior Science Expo Dänemark-Preises 2022. Sie wurde mit dem
Preis für ihre innovative Idee, Lebensmittel auf der Basis von Tannennahrungsfasern zu entwickeln,
ausgezeichnet. In Kooperation mit ihr und der Service Designerin Rikke Frederiksen betritt Fair Trees jetzt
neues Land mit dem Ziel vor Augen, ein technisch und logistisch haltbares Model zum Upcycling von
Nordmanntannen in Nahrungsfasern zu ermitteln.

Fair Trees – Brutkasten für ein noch grüneres Weihnachtsfest
Erst schmücken, dann plündern und zum Schluss verzehren wir! Richtig gelesen: Der Weihnachtsbaum kann
gegessen werden. Jedes Jahr werden ca. 45 Millionen Nordmanntannen innerhalb der EU verkauft. Mimi
Nielsen, Rikke Frederiksen und Fair Trees haben ein Entwicklungsprojekt gestartet, bei dem
Weihnachtsbäume wieder eingesammelt und zur Lebensmittelproduktion in Form von Tannenfasern für z.
B. Brot und Kekse verwertet werden.

„Tannenkekse – ein innovatives Projekt in der Weihnachtsbaumbranche“
Die junge Forscherin hat Tannenkekse aus den Stämmen von Fair Trees-Weihnachtsbäumen gebacken.
„Weil die Tannenfasern nicht wasserlöslich sind, habe ich dem Knäckebrot Leinsamen beigefügt, die
wasserabsorbierende Schleimstoffe (Mucilage) enthalten. Somit enthält das Knäckebrot die meisten
Formen von Nahrungsfasern“, berichtet Mimi Nielsen, die Gewinnerin Junior Science Expo Dänemark-
Preises 2022.

Fair Trees – ein gutes Bauchgefühl
Analysen zeigten zudem, dass Tannenfasern die Menge der sogenannten SCFA-produzierenden
Darmbakterien steigert, von denen man annimmt, dass sie u. a. bei Fettleibigkeit und Darmkrebs helfen
können. Die Tannenfasern als solche sind völlig frei von gesundheitsschädlichen Stoffen.
„Die Verwendung von Weihnachtsbäumen als Nahrungsfasern bietet innovative und nachhaltige
Zukunftsaussichten für die Weihnachtsbaumproduzenten. Bei Fair Trees fokussieren wir insbesondere auf
zirkuläre Produktion innerhalb der gesamten Wertkette. Von der sorgfältigen Handernte der Samen in dem
mehr als 100 Jahre alten Naturwald im Kaukasus bis zum Weihnachtsbaum in der Stube. Können die
Tannenfasern der Millionen von Weihnachtsbäumen, die jährlich verkauft werden, als wichtige
Nahrungsressource nach Heiligabend verwertet werden, sind wir einen großen Schritt weiter in Richtung
eines noch grüneren Weihnachtsfestes. Darum sind wir von unserer Zusammenarbeit mit Mimi begeistert.
Und wer weiß? Vielleicht endet der Weihnachtsbaum als Nebenprodukt der ursprünglichen
Weihnachtsbaumzüchtung“, unterstreicht Marianne Bols von Fair Trees.

Tannenfasern: Produktion vor Ort erzielt weiteren Umweltgewinn
Tannenfasern sind auch eine nachhaltige Alternative für Nahrungsfasern, die bereits auf dem Markt sind.
Die Weihnachtsbäume, aus denen die Fasern gewonnen werden, werden in Dänemark gezüchtet und nicht
wie die herkömmlichen Fasern aus Getreide, das aus Südamerika und Südeuropa stammt. So wird ein
weiterer Umweltgewinn erzielt, da die Pflanzenfasern aus lokal angebauten Weihnachtsbäumen eine
bisher nicht erkannte Nahrungsressource bilden. Darum: Verwerten wir die Stämme der gut 1,5 Millionen
Weihnachtsbäume, die jährlich in Dänemark produziert werden, als Nahrungsfasern, ist es potenziell
möglich, einen negativen CO-2-Gewinn von 1.650 Tonnen zu erreichen.

Tannenfasern – CO2-Bilanz
1 Weihnachtsbaum (Höhe 1,5 m) enthält 3,67 kg CO2. 1,5 Millionen Bäume entsprechen 5.500 Tonnen
CO2. Ein Baum enthält ca. 30 % Hemicellulose.
Würden wir sämtliche Baumstämme verzehren und unser Körper die Hemicellulose zu 100 % ausnutzen,
hätten ca. 30 % der 5.500 Tonnen CO2 (1,5 Millionen Weihnachtsbäume) potenziell CO2-negativen Effekt.
In diesem Fall nutzt der menschliche Körper den Kohlenstoff in der Hemicellulose zur Bildung von
kurzkettigen Fettsäuren, die aus bis zu 6 C-Atomen bestehen.
Potenzial: 30 % von 5.500 Tonnen CO2 entsprechen einer CO2-negativen Auswirkung von 1.650 Tonnen.

Tannenfasern – von Baum zur Faser
Der Prozess vom Weihnachtsbaum zum Tannenkeks beginnt mit der Abschabung und Reinigung der
Rindenoberfläche. Jetzt wird der Stamm zu Sägemehl verarbeitet, das zwei Stunden unter Hochdruck
gekocht und dann luftgetrocknet wird. Letztlich wird das Tannenmehl in einem Mixer in so feine
Tannenfasern zerkleinert, dass sie in Brot und Keksen verwendet werden können.